Das Hören

Hören ist eine ganz zentrale Sinneswahrnehmung. Neben den rein physikalsichen Vorgängen durch Schallweiterleitung vom Trommelfell bis zum Innenohr verbergen sich weitere wichtige Funktionen hinter dem Hören. Die wichtigsten Funktionen sind die Warnungs-, Alarmierungs-, Orientierungs-, Aktivierungs-, Informations-, soziale Funktion, emotionale Wahrnehmungs- und die Kommunikationsfunktion. Imanuel Kant hat den Satz geprägt: "Nicht sehen können trennt uns von den Dingen, nicht hören können von den Menschen."

Das Hören ist die wichtigste Voraussetzung für Kommunikation. Ohne Hörvermögen fällt es uns in der Dunkelheit unendlich schwer, uns zu orientieren. Ohne Hören entsteht kein Sprachvermögen. Ein Kind lernt sprechen, indem es die Laute der Erwachsenen nachahmt. Durch fehlende Sprachkommunikation verlernt der Erwachsene mit der Zeit die Fähigkeit zu sprechen, er vereinsamt, obwohl er mitten unter Menschen ist. Wer schlecht hört, kann das gesprochene Wort oft nicht interpretieren, und weiß nicht, wie es gemeint ist. Das führt zu Misstrauen und gesellschaftlicher Isolation. Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft ohnehin ein großes Problem, welches durch schlechtes Hören noch verstärkt wird. Depressionen und eine Verstärkung der Altersdemenz sind durch Forschungen belegt. Die Folgen belasten unser Gesundheitssystem in hohem Maße. 

Die drei Bereiche des Ohres.

Das Ohr setzt sich zusammen aus dem äußeren Ohr, dem mittleren Ohr und dem Innenohr.
Das äußere Ohr umfasst die sichtbaren Teile des Ohres mit Ohrmuschel und Gehörgang. Hier wird der Schall gesammelt und an das Mittelohr weitergeleitet. Das Mittelohr wird von dem äußeren Ohr durch das Trommelfell getrennt. Es ist ein luftgefüllter Raum. Drei kleine Knöchelchen, welche die Gehörknöchelchenkette (Hammer, Amboss, Steigbügel) bilden, verbinden das Trommelfell mit dem Innenohr. Der für das Hören zuständige Teil des Innenohrs heißt Schnecke (lat. Cochlea). Sie ist mit Flüssigkeit gefüllt. In dieser Flüssigkeit befindet sich das Cortiorgan, auf dem ca. 32.000 winzige Nervenfasern (Haarzellen) sitzen.

Die mechanische Energie, empfangen vom Trommelfell, weitergeleitet von der Gehörknöchelchenkette, bewegt über eine Membran die Flüssigkeit in der Cochlea. Diese Bewegungsenergie in der Flüssigkeit der Cochlea, (ermöglicht durch das runde Fenster) stimmuliert die Nervenfasern. Die Cochlea kann man sich als eine Röhre vorstellen, die an beiden Enden mit einer beweglichen Membran verschlossen ist. Da sich Flüssigkeiten nicht komprimieren lassen, wird so eine mechanische Auslenkung mit unterschiedlicher Stärke durch Resonanz in der Röhre möglich. Die Nervenfasern senden über den Hörnerv Impulse an das Gehirn. Dort werden die Impulse als Töne interpretiert und mit den verschiedensten Schichten unserer Wahrnehmung verknüpft. Das Lernen und Interpretieren von Tönen und Geräuschen beginnt schon im Mutterleib und setzt sich auch viele Jahre danach fort.